„Advent“ steht seit Mitte Oktober in jedem dritten Schaufenster, und dabei fängt die Adventszeit offiziell erst Ende November an. Das ist kein Zufall, sondern ein ziemlich genaues Abbild davon, was mit diesem Wort passiert ist: Aus einem lateinischen Begriff für die Ankunft eines Herrschers ist eine Jahreszeit geworden, die man am liebsten sofort und überall haben möchte. Was er ursprünglich bedeutete und was er heute trägt, liegen weiter auseinander, als die meisten denken.
Wichtige Erkenntnisse
- „Advent“ kommt aus dem Lateinischen und heißt nichts anderes als „Ankunft“ – adventus Domini, die Ankunft des Herrn.
- Der Advent beginnt am vierten Sonntag vor Weihnachten und markiert gleichzeitig den Start des neuen Kirchenjahres.
- Die vier Wochen sind nicht aus Nostalgie entstanden, sondern aus einer Verkürzung: Früher dauerte die Vorbereitung deutlich länger.
- Die vier Sonntage haben in der katholischen Tradition eigene Themen – Hoffnung, Frieden, Freude, Liebe – und die Kerzen folgen den liturgischen Farben.
- Für Kinder bedeutet Advent fast immer etwas anderes als für Theologen: Kalender, Kerzen, Vorfreude.
Advent und seine Bedeutung: Was das Wort wirklich heißt
Wer im Wörterbuch nachschlägt, landet schnell bei einer unspektakulären Übersetzung: Ankunft. Das lateinische adventus meinte im Römischen Reich aber mehr als nur das Eintreffen einer Person. Es bezeichnete den feierlichen Besuch eines Amtsträgers – die Ankunft von Königen oder Kaisern, samt Zeremonie, Vorbereitung und einer Stadt, die sich darauf einstellte. Die Christen übernahmen das Wort und füllten es neu: adventus Domini, die Ankunft des Herrn.
Genau hier liegt der Punkt, den viele Übersichten zu schnell übergehen. Advent ist kein Synonym für „Vorweihnachtszeit“. Er ist ein Begriff mit zwei Richtungen.
Die doppelte Bedeutung: Geburt und Wiederkunft
Die Adventszeit bereitet auf das Fest der Geburt Jesu Christi vor, also auf Weihnachten. Gleichzeitig erinnert sie daran, dass Christen das zweite Kommen Christi erwarten. Diese zweite Dimension ist im Alltag fast vollständig verschwunden – kaum jemand denkt beim ersten Türchen des Kalenders an die Wiederkunft. Für die Liturgie ist sie aber der Grund, warum der Advent überhaupt so ernst genommen wird.
Und noch etwas: Mit dem ersten Adventssonntag beginnt das neue Kirchenjahr. Nicht der 1. Januar, nicht Ostern. Der Advent ist der Jahresanfang der Kirche, was ihn theologisch zu einem der gewichtigsten Termine im Kalender macht – auch wenn er sich anfühlt wie eine Vorstufe zu etwas Größerem.
Advent in katholischer und evangelischer Lesart
In der katholischen Tradition ist der Advent eine eigene liturgische Zeit mit klaren Regeln: violette Gewänder, gedämpfte Musik, kein Halleluja in der Messe. Der dritte Sonntag ist die Ausnahme – Gaudete, „freut euch“, heißt er, und die Farbe wechselt für einen Tag ins Rosa. Das ist keine Deko-Laune, sondern ein bewusster Bruch der Bußstimmung mitten in der Vorbereitung.
Evangelisch ist der Advent weniger stark reglementiert. Die Vorbereitung auf Weihnachten steht im Vordergrund, die Erwartung des zweiten Kommens wird mitgedacht, aber selten so betont. Was bleibt, ist in beiden Konfessionen dasselbe Grundgerüst: vier Sonntage, die auf einen Punkt zulaufen.
Warum gibt es den 1., 2., 3. und 4. Advent?
Die kurze Antwort: Weil die Adventszeit auf vier Wochen zusammengestrichen wurde.
In den ersten Jahrhunderten war die Vorbereitung auf Weihnachten regional sehr unterschiedlich geregelt. In einigen Gegenden, besonders in Gallien, fastete man sechs Wochen lang – ähnlich wie vor Ostern. Andere Regionen kannten kürzere Fristen. Erst mit der Zeit setzte sich die vierwöchige Form durch, weil sie sich an den vier Sonntagen vor Weihnachten festmachen ließ. Die Zahl vier hat also keinen mystischen Ursprung, sondern einen verwaltungstechnischen: Man brauchte eine einheitliche, handhabbare Zeitspanne.
Der erste Adventssonntag liegt damit immer zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember. Daraus folgt, dass der vierte Advent je nach Jahr auf den 18. bis 24. Dezember fällt – und in manchen Jahren fällt Heiligabend selbst auf einen Sonntag. Wie viele Adventssonntage es dann gibt, ist eine der Fragen, die jedes Jahr wieder in Familien diskutiert wird.
Wie heißen die vier Adventssonntage?
Die Sonntage tragen keine offiziellen Namen im Sinne von „Sonntag der Hoffnung“ im Kirchenkalender – sie werden schlicht als erster, zweiter, dritter und vierter Adventssonntag gezählt. Der dritte hat einen Beinamen, der aus der Liturgie stammt: Gaudete, nach dem lateinischen Eröffnungsruf „Freut euch“. Im Volksmund haben sich zusätzlich Themenzuordnungen eingebürgert, die je nach Region und Gemeinde variieren. Verbreitet sind Hoffnung, Frieden, Freude und Liebe – in dieser Reihenfolge, aber nicht überall gleich.
Ehrlich gesagt: Ich habe in verschiedenen Gemeinden schon andere Zuordnungen gehört, und keine davon war „falsch“. Wer eine feste Liste sucht, findet sie in der Liturgie der jeweiligen Gemeinde, nicht in einem allgemeinen Nachschlagewerk.
Welche Bräuche und Symbole gehören zum Advent?
Der Adventskranz ist die Erfindung, die den Advent aus der Kirche in die Wohnzimmer geholt hat. Ursprünglich ein protestantisches Projekt aus dem 19. Jahrhundert – ein Hamburger Theologe betreute Waisenkinder und baute mit ihnen einen Holzkranz mit Kerzen, an dem jeden Tag eine weitere entzündet wurde. Aus dem pädagogischen Hilfsmittel wurde ein Massenphänomen.
Die vier Kerzen entsprechen den vier Sonntagen. Die Farben folgen in der katholischen Tradition dem liturgischen Kalender: violett für den ersten, zweiten und vierten, rosa für den dritten. Viele Kränze zu Hause halten sich nicht daran – was völlig in Ordnung ist. Ich habe jahrelang einen Kranz mit vier roten Kerzen gehabt, weil meine Mutter es so wollte, und keine Sekunde darüber nachgedacht, dass das liturgisch nicht korrekt ist.
Warum der Kalender mit dem Advent nur indirekt zu tun hat
Der Adventskalender ist streng genommen kein liturgisches Symbol, sondern ein pädagogisches. Er zählt nicht die Adventssonntage, sondern die Tage bis Weihnachten. Trotzdem hat er das Bild der Adventszeit für Kinder stärker geprägt als jede Kirche. 24 Türchen, ein Schokoladenstück pro Tag, und die Zeit wird plötzlich zählbar.
Was bedeutet die Adventszeit im Alltag?
Zwischen Lichterketten und Weihnachtsmarkt ist die ursprüngliche Bedeutung erstaunlich gut erhalten geblieben – nur anders verpackt. Die Adventszeit ist eine Zeit der Erwartung, und das ist im Konsumrausch genauso spürbar wie in der Kirche: Man wartet auf etwas, das noch nicht da ist. Die Frage ist nur, worauf.
- Stille – der Gegenpol zum Lärm der Einkaufsstraßen, in der Liturgie fest verankert
- Vorfreude – das Gefühl, das Kinder und Erwachsene teilen, auch wenn die Anlässe unterschiedlich sind
- Kerzen, Kränze, Lieder: sichtbare Zeichen, die eine unsichtbare Zeit strukturieren
- Und der oft vergessene Teil: Buße und Umkehr, der im kirchlichen Advent eine zentrale Rolle spielt
Advent Bedeutung für Kinder: Was bleibt hängen?
Fragen Sie ein Kind, was Advent bedeutet, und die Antwort ist meistens: „Dann kommt Weihnachten.“ Das ist nicht falsch – nur unvollständig. Für Kinder ist der Advent ein Zeitgefühl, kein theologisches Konzept. Sie erleben ihn über Rituale: das erste Türchen, das Anzünden der ersten Kerze, das Lied, das jedes Jahr wieder gesungen wird.
Interessant wird es, wenn man die Frage nach der Bedeutung ernst nimmt und nicht sofort mit der Antwort „Weihnachten“ abspeist. Der Advent lebt für Kinder von der Spannung zwischen Warten und Bekommen – und genau das ist die Grundstruktur des liturgischen Advents. Ob das ein Zufall ist, wage ich zu bezweifeln.
1. Advent Bedeutung: der Anfang
Der erste Adventssonntag ist der Startschuss. In der katholischen Liturgie wird an diesem Tag traditionell das Licht der Hoffnung angezündet, und viele Gemeinden beginnen mit einer besonderen Andacht. Im Alltag markiert er den Moment, in dem der Weihnachtsstress offiziell beginnen darf. Ich habe mir angewöhnt, den ersten Advent bewusst nicht mit Einkaufen zu verbringen – ein kleiner Akt des Widerstands, der erstaunlich viel verändert.
4. Advent Bedeutung: das Ende
Der vierte Advent ist der unruhigste. Alle vier Kerzen brennen, die Zeit ist fast abgelaufen, und die Erwartung wird konkret. In der Liturgie ist er der letzte Vorbereitungssonntag – danach beginnt Weihnachten. Wer in diesen Tagen noch Geschenke kauft, ist in guter Gesellschaft. Die eigentliche Bedeutung liegt aber woanders: Es ist der Moment, in dem das Warten endet und das Gefeierte beginnt.
Die vier Adventssonntage im Überblick
Die folgenden Zuordnungen folgen der verbreiteten volkstümlichen Tradition. In der Liturgie selbst sind die Sonntage primär nach ihrer Reihenfolge benannt; die Themen sind eine Ergänzung, die je nach Gemeinde variieren kann.
| Sonntag | Verbreitetes Thema | Kerzenfarbe (kath. Tradition) | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| 1. Advent | Hoffnung | violett | Beginn des Kirchenjahres |
| 2. Advent | Frieden | violett | – |
| 3. Advent | Freude | rosa | Gaudete – Ausnahme in der Bußzeit |
| 4. Advent | Liebe | violett | letzter Sonntag vor Weihnachten |
Was in der Tabelle fehlt: die Spannung. Kein Sonntag steht für sich, jeder schiebt die Erwartung ein Stück weiter. Und das ist, wenn man ehrlich ist, der eigentliche Kern der Sache.
Was von der Bedeutung bleibt
Advent heißt Ankunft. Das ist die ganze Übersetzung, und sie ist erstaunlich robust: Sie hat den Kaiserbesuch überlebt, das Fastengebot, die Waisenhauspädagogik und die Lichterketten. Wer heute „Advent“ sagt, meint selten die Ankunft Christi – aber die Struktur des Wartens hat sich gehalten, auch bei denen, die mit Kirche nichts zu tun haben.
Vielleicht ist das der Grund, warum der Adventskranz nicht aus den Wohnzimmern verschwindet, obwohl kaum noch jemand die liturgischen Farben kennt. Vier Kerzen, vier Wochen, ein festes Ziel: Das ist ein Rhythmus, der auch ohne theologischen Hintergrund funktioniert. Was nicht heißt, dass der Hintergrund egal wäre. Er erklärt nur, warum der Rhythmus so gut passt.